Lebensformenpädagogik
Lebensformenpädagogik
ist ein von KomBi entwickeltes Konzept der Bildungsarbeit, das die
Thematisierung gleichgeschlechtlicher Lebensweisen in den größeren
Kontext der Vielfalt von Lebensformen und Identitäten stellt. Ihr Ziel
ist die Förderung von Akzeptanz und Respekt.
Lebensformenpädagogik
vermittelt einen positiven Begriff der Vielfalt und eine Wertschätzung
für die Unterschiedlichkeit von Menschen. Sie thematisiert
Ausgrenzungsmechanismen und Machtverhältnisse und versteht sich als
Beitrag zur Menschenrechtsbildung.
Lebensformenpädagogik
geht nicht von einem statischen Identitätsbegriff aus und verwendet
Bezeichnungen wie "heterosexuell", "lesbisch", "schwul", "bisexuell"
und "transgender" im Wissen von der Wandelbarkeit und Durchlässigkeit
gelebter Identitäten.
Lebensformenpädagogik
richtet sich an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, denen sie
einen Erfahrungsraum der persönlichen Begegnung im Dialog bietet.
Lebensformenpädagogik wendet sich auch an alle pädagogischen
Fachkräfte, um deren Handlungskompetenz im Umgang mit der Vielfalt von
Lebensformen zu stärken.
Lebensformenpädagogik
nutzt Methoden des Lebendigen Lernens und berücksichtigt
interkulturelle und genderbezogene Aspekte. Sie braucht qualifizierte
BildungsreferentInnen mit Spezialkenntnissen und Lebensweltbezug, die
im geschlechterparitätisch besetzten Zweierteam zusammenarbeiten.
Die pädagogische Vermittlung der Vielfalt von Lebensformen umfaßt vier Hauptaspekte:
Antidiskriminierungsarbeit
- Lesbisches und schwules Leben sichtbar machen und thematisieren
- Das Tabuthema Homosexualität kommunizierbar machen
- Vorurteile benennen und abbauen
- Identitätsfindung unterstützen
- Vielfalt von Lebensformen und Kulturen positiv vermitteln
Gewaltprävention
- Klischees durch persönliche Begegnung entkräften
- Über Männerrollen und Frauenrollen nachdenken
- Soziale Rollen differenziert wahrnehmen
- Ausgrenzungsmechanismen in der Dominanzkultur erkennen
- Differenz wertschätzen lernen
Emanzipatorische Sexualpädagogik
- Zwischen Sexualität und Fortpflanzung unterscheiden
- Mit Mädchen und Jungen geschlechtsspezifisch arbeiten
- Soziale und emotionale Dimensionen von Sexualität aufzeigen
- Gefühle und Wünsche aussprechen lernen
- Über Beziehungsmodelle und Lebensplanung reden
Politische Bildung
- Soziale und kulturelle Normen hinterfragen
- Über Ausgrenzung von Minderheiten diskutieren
- Sexuelle Orientierung als Menschenrecht begreifen
- Gesetzliche Diskriminierungsverbote kennenlernen
- Demokratisches Bewußtsein schärfen
Unser
Ziel ist eine Gesellschaft, die verschiedene Lebensweisen akzeptiert,
weil sie gelernt hat, Vielfalt als bereichernd und nicht als bedrohlich
zu erleben.
Literatur zur Lebensformenpädagogik (chronologisch)
Die
folgenden Quellenangaben veranschaulichen den Entstehungsprozess der
Lebensformenpädagogik. Seit den ersten konzeptionellen
Überlegungen zu einer "Lebensweisenpädagogik" 1993 wurde das
Konzept immer weiter ausformuliert und weiterentwickelt.
Brucker, Silke / Fuhrmann, Hans / Holzkamp, Christine / Lähnemann, Lela / Lehmann, Peter:
Lesbisch-Schwul-Heterosexuell. Konzeptionelle Überlegungen zur Bildungsarbeit mit Jugendlichen und Erwachsenen,
in: Senatsverwaltung für Jugend und Familie, Referat für
gleichgeschlechtliche Lebensweisen (Hrsg.), Pädagogischer
Kongreß: Lebensformen und Sexualität. Was heißt hier
normal?, Berlin, 1993, S. 55-64
Kugler, Thomas:
Was habt ihr heute in der Schule gelernt? Zur Konzeption lesbisch-schwuler Aufklärungsarbeit mit Jugendlichen,
in KomBi - Kommunikation und Bildung vom anderen Ufer (Hrsg.), Was ist
schlimmer - lesbisch oder schwul zu sein? Eine Broschüre zur
Aufklärungs- und Bildungsarbeit mit Jugendlichen zum Thema
"Gleichgeschlechtliche Lebensweisen", Berlin, 1995/1997, S. 16-27
Weitere Literatur im thematischen Umfeld der
Lebensformenpädagogik (chronologisch)
Prengel, Annedore:
Pädagogik der
Vielfalt. Verschiedenheit und Gleichberechtigung in Interkultureller,
Feministischer und Integrativer Pädagogik
Opladen 1995
Hartmann, Jutta e. a. (Hrsg.):
Lebensformen und Sexualität. Herrschaftskritische Analysen und pädagogische Perspektiven
Bielefeld 1998
Hartmann, Jutta:
Vielfältige
Lebensweisen. Dynamisierungen in der Triade Geschlecht -
Sexualität - Lebensform. Kritisch-dekonstruktive Perspektiven
für die Pädagogik
Opladen 2002
Timmermanns, Stefan:
Keine Angst, die beißen nicht! Evaluation schwul-lesbischer Aufklärungsprojekte in Schulen.
Norderstedt 2003
Tietz, Lüder (Hrsg.):
Homosexualität verstehen. Kritische Konzepte für die psychologische und pädagogische Praxis
Hamburg 2004
Hartmann, Jutta (Hrsg.):
Grenzverwischungen. Vielfältige Lebensweisen im Gender-, Sexualitäts- und Generationendiskurs
Innsbruck 2004
Ministerium für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.):
Mit Vielfalt umgehen. Sexuelle Orientierung und Diversity in Erziehung und Beratung
Düsseldorf 2004
www.diversity-in-europe.org
van Dijk, Lutz / van Driel, Barry (Hrsgg.):
Sexuelle Vielfalt lernen. Schulen ohne Homophobie
Berlin 2008